Stimmen zu
"Ein Ungar kommt selten allein"
Rezension aus „Literarisches Österreich, 2010/1, Zeitschrift des österreichischen Schriftstellerverbandes“ verfasst von Brigitte Pixner
Eben ist die 9. (!) Auflage des seinerzeit bei Styria verlegten Bandes des vielseitigen, geistreichen Autors Georg Kövary (der 1956 im Zuge des Ungarnaufstandes nach Österreich flüchtete) erschienen.
Zu Recht! – denn Georg Kövary, der „Mann mit der ungarisch-österreichischen Seele“, ist ein Meister seines Metiers und wurde zu Lebzeiten mit vielen Preisen und Ehrungen bedacht. Er ist ein wahrer Tausendsassa, nicht zuletzt ein bewundernswert akribischer Forscher und Sammler, der mit unermüdlichem Fleiß alles nur irgendwie Hervorhebenswerte und originelle in Sachen Ungarn und ungarischer Kultur zusammengetragen hat. Er präsentiert es leicht und locker, mit unnachahmlichem Scharm, Esprit und Witz – und so ist dieser Band ein Muss für alle an Ungarischem interessierten.
Da Kövary aber, siehe Kapitel Ungarnkunde, „Ungarisch als die lauteste Geheimsprache auf dem Globus“ bezeichnet, als „Weltsprache“ zwar, aber als zugegebenermaßen „schwere Sprache“, liegt der Band glücklicherweise auf Deutsch vor.
Doch ob auf Deutsch oder ungarisch – Kövary ist ein Mann, der wie der „Humoristengigant Karinthy“, „in Sachen Humor kein Spaß versteht!“ – so wird selbst das Kapitel über die ungarische Geschichte bei aller Sachkenntnis (da humoristisch aufbereitet) zum puren Lesegenuss.
Gut gelaunt wird in der Folge ein ganzes rot-weiß-grünes Potpourri vor dem staunenden Leser ausgebreitet, gewürzt mit amüsanten Anekdoten und Selbsterlebtem! Bei der Lektüre ergibt es sich immer eindeutiger, dass „der Ungar Patriot ist“, ein selbstbewusster Lebens- und Überlebenskünstler, der findet, dass Bescheidenheit nicht immer eine Zier sein muss. So kann jeder Ungar frei seine vielfältigen Talente entwickeln und demgemäß oft sogar Welterfolge erzielen. Sei es in verschiedenen Kunstsparten, der Schriftstellerei etwa, deren arrivierter Vertreter ja Kövary selbst ist, aber auch der von ihm so geschätzte Kollege György Sebestyén. Gleiches gilt für die Filmbranche (Hollywood!), wie für das weite Feld des Sportes oder das geistige der Mathematik, bis hin zu epochemachenden Erfindungen und Entdeckungen.
Unter den vielen ungarischen Erfindern sollte der zur Zeit Maria Theresias Hofrat von Kempelen angeführt werden, der den berühmten, angeblichen unbesiegbaren Schachautomaten entwickelte, den sogar Friedrich der Große bestaunte. – Für die zitierte Kaiserin entwarf Kempelen u. a. ein verschiebbares Krankenbett.
Dem „Retter der Mütter“, Ignaz Semmelweis wird ein ehrendes Andenken bewahrt – nicht alle Ungarn müssen auch ungarische Namen tragen! Von anderer Art wieder ist das Verdienst von J. L. Biro, der den nach ihm benannten Kugelschreiber erfand. Eine wirklich „zündende Idee“ geht auf Johann Irinyi, den Erfinder des Zündholzes zurück. Fortschrittlich im höchstem Maß war Theodor Puskás (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fußballstar, der an anderer Stellen zu Ehren kommt), der, seinerzeit weit voraus, in Paris das erste elektrische Auto konstruieren ließ. Hervorstechend auch der wichtige Nobelpreisträger Albert von Szent-György, der das Vitamin C erstmals isolierte – und woraus? – ganz ungarisch: aus Paprika natürlich!
Mit jedem weiteren Kapitel kommt der Leser mehr und mehr auf „ungarischen Geschmack“, erlebt hautnah mit, was alles an Bekanntem und weniger Bekanntem in diesem brillant aufpolierten (d. h. nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems überarbeiteten) blitzblank geputzten Magyarenspiegel widergespiegelt wird. Und er sieht staunend die Vermutung bewahrheitet, dass es überall in der Welt Magyaren gibt, dass ein Ungar selten allein kommt! – nicht zuletzt wohl wegen der vielen reizvollen Piroschkas!
Ironisch visionäre „Ungarnträume“ beschließen das Buch, wohl dazu gedacht, ein umfassendes Verständnis für unseren ungarischen Nachbarn zu initiieren, zu ihrer offenen, temperamentvollen, freien Mentalität, die Georg Kövary so liebevoll herausgearbeitet hat.
Wenn aber ein Ungar selten allein kommt! –so vermutlich auch dieses „Ungarnbuch“, weil es sich bestens auch als anspruchvolles Geschenk eignet. So kann vermutet werden, dass dieser Magyarenspiegel reißend Absatz finden wird. – Bis zur 10. Auflage sollte man lieber nicht zuwarten!
Inhaltsverzeichnis:
1. Statt Vorwort: Fürwort
I. Ungarnkunde
2. Allgemeines und Gemeines
3. Zwei Seelen hausen ach in seiner Brust
4. Ungarische Sprache - schwere Sprache
5. Humor und Magyar
6. Ungarische Küche - schwere Küche
7. Weltmarke Piroschka
II. Ungarngeschichte
8. Landnahme live
9.Geschichte mit Geschichten
10. Alle haben von allem genug
11. Aufs eigene Niveau gesunken
12. In der Ungarnhilferstraße
13. Die fröhlichste Baracke
III. Ungarnpanoptikum
14. Lauter Alphabeten
15. Alles erfunden?
16. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
17. Und Operette rettete
18. Ein ungarisches Dorf namens Hollywood
19. Who's not who?
IV Ungarnträume
20. Die Überlebenskünstler
Nachwort
Georg Kövary über seine Erinnerungen zur Oktoberrevolution 1956
Nach Stalins Tod 1953 erfolgte in den Satellitenländern der Sowjetunion, so auch in Ungarn, das historische Zwischenspiel „Tauwetter“. Künstler und Schriftsteller durften kleinere Freiheiten genießen. Drei Jahre später unterschrieb ich einen Vertrag, demzufolge ich der künstlerische Leiter eines neu gegründeten Kabaretts mit dem Sitz im Hotel „Beke“ an der Ringstraße werden sollte.
Am 23.Oktober um 15 Uhr begannen wir mit der ersten Probe für das geplante Eröffnungsprogramm. Wir waren in Hochstimmung; die Gerüchte, dass an diesem Tag eine Studentendemonstration über die Bühne gehen sollte, regte uns nicht auf. Kaum hatten wir mit der Probe begonnen, als Gesprächsfetzen an unsere Ohren drangen, gefolgt von immer lauter anschwellendem Straßenlärm. Wir schauten hinaus und sahen zu unserer Überraschung eine schier unübersehbare Menschenmenge vorbeimarschieren. Ich brach die Probe ab und schloss mich mit meinem kleinen Ensemble den Demonstranten an. Ich ging bis zum Denkmal des polnischen Generals Josef Bem, der 1848 freiwillig auf der Seite Ungarns im Freiheitskampf teilgenommen hatte, mit und war bei der Kranzniederlegung anwesend.
Am nächsten Tag, als die Revolution schon ausgebrochen war, schlug ich mich zum Hauptquartier der sich in Budapest aufhaltenden westlichen Korrespondenten durch und führte sie zu einigen neuralgischen Punkten des Geschehens (wie z.B. vor die AVO-Zentrale, wo angeblich Menschen in den Kellern gefoltert wurden - wir hörten tatsächlich Klopfzeichen von unter der Erde) und dolmetschte für sie.
Am Donnerstag, dem 1. November 1956, war ich mit den bedeutendsten amerikanischen, englischen und deutschen Journalisten als einziger Ungar im Parlament, wo der Pressesprecher von Imre Nagy (der später im Kerker erschlagene Geza Losonczy) mitteilte, der Herr Ministerpräsident habe den sowjetischen Botschafter, Herrn Andropow, zu sich gebeten und sich erkundigt, wieso an der ungarischen Grenze sowjetische Truppenzusammen gezogen würden. Die Antwort sei gewesen, es handle sich nur um harmlose Manöver.
Am Abend des gleichen Tages ermöglichten mir die Presseleute in ihrem Konvoi die Flucht nach Österreich. (Erstspäter erfuhr ich, dass Fürst Paul Esterhazy in demselben Autokonvoi geflohen war).
In Wien angekommen begann ich bei der Tageszeitung “Kurier“ zu arbeiten: Als Manager wurde ich der Leiter des Theater- und Konzertringes. Als Journalist verfasste ich Berichte, Interviews und Kritiken für die Kulturseite. Als Schriftsteller begann ich mit meinen langjährigen Recherchen zu meinem schon damals geplanten satirischen Sachbuch EIN UNGAR KOMMT SELTEN ALLEIN…
Textauszüge:
„…Das Herz des Ungarn ist fraglos um eine Nummer zu groß. Er hat es als Trostpflaster erhalten, vom lieben Gott, der ihn dabei ertappte, daß er sich bei der Verteilung dieses Organs zweimal angestellt hatte. Wo sollte er, so fragte sich der Ungar, der durchschnittlich 1,67 Meter groß und 70 Kilo schwer ist, diese überlebensgroße Gefühlszentrale unterbringen? Er begann die himmlische Gabe andauernd herzuzeigen. Heute noch hält er sein Herz mehr in der Hand, um es an den Erstbesten zu verschenken, als am rechten Fleck. Häufig trägt er es anstelle des Hirns…“
„…Die vordringlichste Herzensangelegenheit des Ungarns ist die Liebe. Er ist gern und häufig, wenn nicht gar ständig verliebt. Ein Ungar versteht es, dieses wohl populärste aller menschlichen Spiele noch vergnüglicher zu gestalten als seinesgleichen in anderen Ländern. Es kommt zunächst nicht auf das Handwerk an, sondern auf sein Mundwerk. Er ist ein ausgezeichneter Werbefachmann. Er wirbt um die Frau mit einer Fülle von schönen Worten, Liebesgedichten und Liedern, mit Zigeunermusik-Serenaden, unter dem Beistand aller guten Geister der ungarischen Küche, des feurigen Ungarweines und der romantischen Natur des Landes. Er ist treu in der Liebe. Manchmal mehreren Frauen zugleich…“
„…Wer weiß, was zuerst da war? Die Henne oder das Ei? Das Duzen oder die Freundschaft? Jedenfalls ist das Du- Wort ein Schlüssel, der Herzen zu öffnen vermag. Wenn man nicht mehr so förmlich mit seinem Nächsten umgehen muss, kann man ihm auch viel mehr Mitgefühl und Wohlwollen entgegenbringen. Man kann ihm seine Fehler viel objektiver vor Augen halten; er ist ja ein guter, ein allerliebster Freund: Wenn er allerdings zu empfindlich ist, aus purem Takt also, tut man besser daran, seine Fehler anderen objektiv vor Augen zu führen, hinter seinem Rücken.
Diese Form wohlwollender Information, die der Ungar einem guten Freund über einen anderen guten Freund zukommen lässt und die ein westlicher Beobachter in völliger Unkenntnis der Sachlage Intrige nennen würde, heißt * furás…“
„…Wissenschaftlich belegt ist folgendes, wobei ich die Daten aus dem mir frischest zugänglichen ungarischen Geschichtsbuch entlehne, Erscheinungsjahr 1992: Um 4000 vor Christus löst sich die Gemeinschaft der Uralvölker auf, die Finno-Ugrier und die Samojeden trennen sich voneinander. Um 2000 v. Chr. geht die finnugrische Gemeinschaft auseinander. Im Laufe der Zeit zerfällt das Urvolk in mehrere Gruppen: Finnen, Lappen, Esten und die ganze Liste, die im Zusammenhang mit dem Ursprung der ungarischen Sprache bereits bekanntgegeben wurde. Die Oguren, also die Urahnen der Ungarn, bleiben in Westsibirien.
Was ich nun hier einfüge dürfte ich mir als gewissenhafter Geschichtswisssenschaftler nicht erlauben. Zu meinem Glück bin ich jedoch ein zügelloser Humorist, und so gestatte ich mir, den geneigten Leser zu fragen, ob er schon gehört habe, wie die Finnen sich von den Ungarn getrennt hätten. Nun dies geschah so: Der Urstamm völkerwanderte und wanderte, bis er eines schönen Tages zu einer Kreuzung kam. Dort stand ein Wegweiser mit der Aufschrift "nach Helsinki". Und diejenigen, die lesen konnten, setzen ihren Weg dorthin fort…"
Einige Rezensionen
Aus Ungarntipps.de: „Es gibt keine bessere Möglichkeit, die Ungarn zu charakterisieren, als es ihre eigenen Landsleute können und tun. Mit zum Besten was Sie dazu auf dem Markt finden werden, gehört unseres Erachtens "Der Magyarenspiegel" von Prof. Georg Kövary.“
„Ein Ungar kommt selten allein.“ ist ungeheuer lustig – ungeheuer bildend – erheiternde Pflichtlektüre nicht nur für Ungarn, sondern für alle, die gern in Ungarn Urlaub machen.“
„In diesem Buch hält Kövary seinen Landsleuten mit viel Liebe und viel Spott einen Spiegel vor die Lesebrille. Wir erfahren über den „Volkscharakter“ ( viel Herz – viel Paprika – viel Show ), über berühmte Ungarn vor allem die Geschichte Ungarns so, dass wir sie nicht nur lesen, sondern uns auch noch viel merken - . Wer lacht, lernt leichter: ist man fast versucht zu sagen.“
„Die wohl lustigste Selbstironie der Ungarn“
„In diesem Buch hält Kövary seinen Landsleuten mit viel Liebe und viel Spott einen Spiegel vor die Lesebrille. Wir erfahren über den „Volkscharakter“ ( viel Herz – viel Paprika – viel Show ), über berühmte Ungarn vor allem die Geschichte Ungarns so, dass wir sie nicht nur lesen, sondern uns auch noch viel merken - . Wer lacht, lernt leichter: ist man fast versucht zu sagen.“