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Borderline

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) tritt zunehmend in das Licht der Öffentlichkeit und trotzdem stellt die Klassifizierung der Krankheit immer noch ein Problem dar.
Der Begriff Borderline, zu deutsch Grenzlinie, grenzwertig wurde Ende der 30er Jahre von William Louis Stern eingeführt und charakterisierte ursprünglich psychische Beeinträchtigungen, die zwischen Neurose und Psychose schwanken.
Heute wird die Störung, die zu den am häufigsten diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen zählt, allerdings als eigenständiges Krankheitsbild gesehen und äußert sich vor allem durch Instabilität von Gefühlen und Verhalten.

Laut DSM-IV, dem Klassifikationssystem der American Psychiatric Association, wird die Borderline-Persönlichkeitsstörung wie folgt definiert:
Ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie deutliche Impulsivität. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter bzw. in der Pubertät und manifestiert sich in verschiedenen Lebensbereichen.
Zudem gibt das DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen) 9 Kriterien an, von denen mindestens 5 der Symptome zutreffen sollten, um die BPS mit großer Wahrscheinlichkeit zu diagnostizieren.

Zu einen der wichtigsten Kriterien gehört das Fehlen eines klaren Ich-Identitätsgefühls. Der Patient fühlt sich in seiner Rolle als Mann/Frau nicht wohl, meint nicht liebenswert oder einfach nur nutzlos zu sein. Das Selbstwertgefühl und die Fähigkeit zur Selbstachtung basieren bei Betroffenen deshalb nicht auf in der Vergangenheit erbrachte Leistungen sondern sind immer abhängig von aktuellen (Miss -) Erfolgen und dem Feedback Dritter. Borderline-Persönlichkeiten fühlen sich auf Grund der fehlenden Identität in sich fremd und leiden aus diesem Grund phasenweise unter tiefer, innerer Leere, die ihnen den Eindruck von allumfassender Sinnlosigkeit vermittelt und sie mit tiefster Verzweiflung erfüllt.
Ein anderes wichtiges Symptom ist die Angst vor dem Verlassenwerden. Auf Grund ihrer gestörten Ich-Identität verlieren Borderline-Persönlichkeiten häufig das Gefühl für die Realität ihrer Existenz und nehmen vorübergehendes Alleinsein als dauerhafte Isolation wahr. Sie neigen insofern dazu, ihre Bezugspersonen zu kontrollieren, zu manipulieren und zu isolieren. Durch die Angst motiviert, greifen Betroffene oft zu extremen Mitteln, wie Selbstverletzung bis hin zu Suizidversuchen.

Zu den typischen Symptomen der BPS gehören zudem noch Starke Stimmungsschwankungen sowie Unbeständige und unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen. Der Partner des Betroffenen wird im Wechsel entweder extrem idealisiert oder abgewertet. Ständige Versuche die Bezugsperson zu manipulieren und bedingungslose Zuwendung einzufordern, sind die Konsequenz. Die Intensität ihrer Beziehungen resultiert aus der Identifikation mit ihren Bezugspersonen, die als Individuen allerdings nicht existent sein dürfen, da dies als bedrohlich empfunden wird. Sowohl die Idealisierung, wie auch die Herabsetzung anderer, resultieren aus dieser Neigung zur Verschmelzung.
Viele dieser Kriterien ergeben sich aus dem Fehlen der Objektkonstanz. Kleinstkinder erwerben mit dieser Fähigkeit, das Wissen, das die Mutter auch dann existiert wenn sie nicht anwesend ist. Diese Fähigkeit verhindert normalerweise Angstzustände beim Kind, das ja ohne Mutter nicht lebensfähig wäre. Da aber bei der BPS diese Objektkonstanz fehlt, sind die Patienten unfähig ihre Bezugsperson auch dann als zugewandt wahrzunehmen, wenn sie als eigenständige Menschen, mit individuellen Gefühlen und Bedürfnissen auftreten.
Dies sind nur einige der Symptome bzw. Kriterien der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Es wird allerdings von einer Selbstdiagnose abgeraten, da die Einordnung immer noch ein schwieriges Problem darstellt und bei einer Krankheitserkennung unbedingt zu einer therapeutischen Behandlung geraten wird.

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